Meine ersten Erinnerungen an die Formel 1 sind noch in schwarz-weiss. Wir Kinder begeisterten uns für einen Rennfahrer mit der komischen Nase, der immer mit einem Tuch vor dem Gesicht fuhr und eine wahnsinnig fesche Frau hatte – Jochen Rindt. Bis er mit seinem Lotus an einem heissen Tag im frühen September 1970 in der Parabolica verglühte. Wenig kümmerten wir uns darum, wer die Rennen kommentierte – tatsächlich war es schon damals Heinz Prüller.
Er formte damals mein F1-Verständnis – eine beinahe reine TV-Sportart, und beim Fernsehen lernte man am meisten. Lauda’s Aufstieg, sein Unfall, sein zweiter WM-Titel, alle serviert vom Heinz Prüller, der ja auch als Ski-Kommentator eingesetzt war. In unserer Schule hielt sich damals nachhaltig das Gerücht. das Prüller was mit der Annemarie Moser-Pröll hatte, und ein etwas aufgelöstes Foto von ihr in einem der Skifahrer-Sammelalben diente als Beweisstück.
Es war die Zeit, als man nur zwischen FS1 und FS2 auswählen konnte, entweder Grand Prix oder nicht. Alternativen zu Prüller gab es keine. Das Fernsehen war inzwischen farbig geworden, und noch farbiger durch Heinz. Mein liebstes frühes Erlebnis mit ihm war der GP von Long Beach 1982. Irgendwer hatte die Kommentarleitung aus den USA nach Wien versemmelt, und Heinz Prüller musste zu einer Telefonzelle ausserhalb des Pressebereichs laufen, um alle 20 Minuten mit aufgeregter Stimme die Geschichte der letzten 20 Minuten zu erzählen – die meist schon irrelevant gewordene Aufbereitung dessen, was wir eh alle gesehen hatten. Die Wagen, über die er uns da am Telefon vorheulte, waren schon längst wieder draussen. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass man auf Prüller aufpassen musste, der Mann hatte sicher noch mehr zu bieten.
Ende der 80er zog ich nach London und lernte die erstklassigen F1 Übertragungen der BBC kennen. Murray Walker und James Hunt hiess das Duo, zwei Legenden, die jedes Rennen neu belebten, mit fachlich ausgezeichnetem, zudem noch witzigem Kommentar, ein reines Vergnügen. Das relativierte den guten Heinz auf der fachlichen Ebene. Es bewies, dass es möglich war, die F1 “straight”, ohne Umwege über geheime Hintergrundgeschichten, zu erzählen. Zwei englische Gentlemen tun sich da naturgemäß einfacher.
Das F1-Erlebnis meines Freundeskreises hat sich Anfang der 90er erweitert. Ich hatte aus England ein Wettformat für Formel 1 mitgebracht, das mir mein Chef, Robert Baker-Carr, selbst Rennfahrer in historischen Formel-Boliden, beigebracht hatte. Jede Woche eine Wette auf die ersten sechs des Rennens abzugeben, erhöhte den Spannungsgrad um gute 100%. Man fieberte mit seinen “Pizzafahrern” mit, und mit seinen Favoriten, Senna, Mansell, Berger. Prüller war einem dann mehr oder weniger egal. Diese Wette hat sich bis heute gehalten, auf kofty.com setzt ein Haufen begeisterter Fans rund um die Welt bei jedem Rennen der Formel 1 auf die Top 8. Umso erstaunlicher, als hier nur um die Ehre gespielt wird und kein Geld im Spiel ist.
Die Wette half uns ein paar Jährchen, über Heinz Prüller’s Unzulänglichkeiten hinwegzukommen.Ich selbst lernte ihn 1992 beim GP von Australien kennen, am Tag vor dem GP in Adelaide, als er Niki Lauda, mit dem ich dort unterwegs war, in der Kurve vor Start und Ziel beim Vormittagstraining interviewte. Ich war positiv überrascht, ein richtig netter Kerl, der Heinz Prüller. “Privat sehr nett”, sagte man früher.
Wir lachten bei den Übertragungen über seine Angewohnheit, jedes Vorkommnis erst viel später zu entdecken, als es passierte. Er leitete uns jedoch gut durch einen der schwärzesten Momente der gesamten Formel 1 Geschichte, Ayrton Senna’s Unfalltod in Imola, und Ratzenberger’s tödlichen Unfall am Tag davor. Was uns an ihm meisten störte, war seine Art, Gerhard Berger zum schnellsten Mann der Welt hochzustilisieren, obwohl jeder sehen konnte, dass dem nicht so war. Berger hier, Berger da, ganze Rennen drehten sich nur um Berger, die echte Story war aber eine ganz andere, und die versäumte er geflissentlich. Das brachte uns dazu, auf RTL fremdzugehen, was aber höchstens für 10 Minuten gut ging – zu piefkinesisch war dort alles, und mit dem Aufstieg eines gewissen Schumacher für Österreicher auch nicht mehr ansehbar.
Die ORF Übertragungen dienten uns für ein neues Spiel: Wer sieht etwas, was Prüller erst später entdeckt? Und verschärft: wer kommentiert das, bevor er es tut? Unvergessliche Szenen entstanden dabei, etwa als man im Hintergrund Alesi aus der Variante Ascari abglühen sehen konnte, Prüller wieder nichts sah, und F1-Spezi Billy Riedl “Wo ist Alesi?” ansagte – was etwa eine Runde später von Prüller wiederholt wurde. Riesengelächter.
Premiere erlöste uns vom Prüller-Unheil, vor allem in der Multikanal Version: diese zeigte uns, wie Prüller es schaffte, ein Rennen zu versäumen: wenn man sich die ganz Zeit die Rundentabellen ansieht (wie man das heutzutage live auf Formula1.com machen kann, dann kann man beim besten Willen vom Rennen nichts mitkriegen. Und Prüller war ein Freak auf der Rundentabelle, er kommentierte das Rennen als ein Abbild der Rundenzeiten.
Seit 6 Jahren lebe ich nun in Bangkok, Thailand, und erfreue mich der Formel 1 auf dem Sender Star Sports, kommentiert von Steve Slater, zusammen mit seinem Co Chris Goodwin, einem Testfahrer bei McLaren. Anfangs war dies reine Freude, aber alles nützt sich ab, so auch dieses Duo. Letztes Jahr wurden schon öfters Ex F1 Piloten Alex Yoong und Narain Karthikeyan als “Colour Commentators” statt Goodwin eingesetzt. Immer öfter aber wünsche ich mir Heinz Prüller zurück, sehe ihn auch manchmal auf Heimatbesuchen. Mit der Zeit versteht man auch, was Elmar Oberhauser stammtischmässig stets als Verteidigung für Prüller gebracht hat – eine Kultfigur, die dem ORF bis weit nach Bayern hinauf Seher bringt.
Der Aufschrei, der sich durch das halbe Internet zieht, ist daher nicht weiter verwunderlich. Heinz Prüller’s Abgang, noch dazu in dieser üblen Form durch den Kleingeist Hans Huber, selbst ein jämmerlicher Waschlappen eines Kommentators, darf nicht so jäh, nicht so ersatzlos passieren. Gebt uns Heinz wieder! Macht den Übergang fliessend, aber lasst uns nicht am ausgestreckten Arm ohne Heinz verhungern. Wahre F1 Fans leiben Prüller trotz seiner Unzulänglichkeiten. Die Seher werden es dem ORF danken.
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also mir geht er nicht ab, die sprüche waren nur gut weil sie so schlecht waren…
schaut mal rein: http://www.8ung.at/mpcom/pruller.htm